Sonntag, Januar 24, 2021
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Thermografie – Ermittlung von Energieeinsparung

Anfang September wurde bei der Nipro PharmaPackaging Germany GmbH (NPG) in Münnerstadt ein ganz besonderer TIPCHECK-Energieaudit durchgeführt. Zum Einsatz kam dabei zum ersten Mal ein von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg – Schweinfurt (FHWS) in Kooperation mit mehreren Partnern aus der Dämmbranche und der Firma Dr. Clauß Bild- und Datentechnik GmbH (CLAUSS) entwickeltes Verfahren, bei dem digitale Aufnahmen von Industrieanlagen mit Thermografieaufnahmen überlagert werden können.

Besonders bei diesem TIPCHECK war neben dem neuen und erstmals getesteten Verfahren auch der Ort bzw. die untersuchte Anlage: Bei der NPG in Münnerstadt werden derzeit unter Hockdruck die Glasfläschchen für den Covid-19 Impfstoff hergestellt. Insgesamt soll die NPG ca. 1,8 Milliarden dieser Fläschchen produzieren, 100 Millionen Stück davon allein am Standort Münnerstadt. Leider gibt es momentan zwar noch keinen Impfstoff, würde man mit der Produktion jedoch erst beginnen, wäre ein wirksamer Schutz gegen das Virus bekannt, würde das die Verteilung an die Bevölkerung um viele Monate verzögern. Da die Produktion und Verarbeitung von Glas sehr energieintensiv ist, hat die NPG bereits 2015 beschlossen, ihre CO2-Emission bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren, wovon bereits die Hälfte umgesetzt werden konnte.

Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten die Prozesse zu optimieren und den CO2-Ausstoß noch weiter zu verringern nahm der NPG Energiemanager Thomas Dekarski Kontakt mit der FHWS und dem TIPCHECK-Programm der EiiF auf. Anfang September lud er dann das Entwicklerteam nach Münnerstadt in die NPG Anlage ein. Bei diesem speziellen TIPCHECK kam erstmals auch das innovative Verfahren mit dem Arbeitstitel „DT360“ zum Einsatz, das vom Lehrstuhl Vermessung und Geoinformatik der FHWS und ihrem Kooperationspartner CLAUSS entscheidend weiterentwickelt worden ist. Aufbauend auf dem 2016 von der Bundesregierung mit einer halben Millionen Euro geförderten eDIan-Projekt (energieeffiziente Dämmung von Industrieanlagen), konnte nun erfolgreich ein Prototyp hergestellt werden, mit dem automatisch und einfach in der Bedienung Energieverluste digital erfasst, identifiziert, vermessen und berechnet werden können. Hierfür wurde für die digitalen Aufnahmen der Panoramakopf „piXplorer 500“ der Firma CLAUSS genutzt und für den Infrarotbereich im Forschungsvorhaben der sogenannte „ThermoHead“ entwickelt. Per Knopfdruck kann durch die Kombination der beiden Systeme ein 360°x180° Panorama der Umgebung angefertigt werden. Diese geometrisch kalibrierte und digitale Abbildung von Objekten oder Gebäuden erlaubt es, im Panorama lokal die Oberflächentemperatur mittels Thermografieauswertung abzuschätzen. Durch ein spezielles Messverfahren ist es sogar möglich, aus den RGB-Aufnahmen Maße zu extrahieren. Ist die Oberflächentemperatur sowie die Abstrahloberfläche eines Objekts bekannt, kann direkt der Energieverlust beziffert werden.

Mit von der Partie beim erfolgreichen Testeinsatz waren Frau Gyna Galvis (Leiterin der Corporate Innovation & Technical Excellence Abteilung der KAEFER Isoliertechnik GmbH & Co. KG), der Energimanager der NPG Thomas Dekarski, Herr Hartmut Clauss (Geschäftsführer CLAUSS) sowie die beiden Autoren dieses Artikels Sebastian Fiedler (Projektleiter „ThermoHead“, FHWS) und Andreas Gürtler (Geschäftsführer der EiiF)

Aufgenommen und untersucht wurde zum Beispiel der hier gezeigte Dampferzeuger. Das ermittelte Einsparpotenzial von 3.000 Euro sowie 22 Tonnen CO2 jährlich spricht für sich. Zusätzlich wurden weitere Einsparpotentiale in der Anlage in Münnerstadt analysiert und entsprechende Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgehend durch Herrn Thomas Dekarski eingeleitet.

Dem Entwicklerteam zeigte dieser ganz besondere TIPCHECK dass das DT360-Verfahren großes Potential besitzt, aber auch, dass noch Verbesserung vorgenommen werden müssen. Erste Erkenntnisse wurden bereits umgesetzt und die Forschungspartner FHWS, CLAUSS und EiiF mit Partnern werden das „DT360-Verfahren“ in weiteren Feldversuchen weiter testen und kontinuierlich verfeinern. Bis es tatsächlich einen Impfstoff gegen Covid-19 geben dürfte, könnte auch das DT360-Verfahren dem Markt bereits zur Verfügung stehen.

Sebastian Fiedler (FHWS) und Andreas Gürtler (EiiF).

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