Freitag, Januar 28, 2022
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Pressekonverenz – Bauwirtschaft bleibt Stabilitätsanker

„Die bayerische Bauwirtschaft wird auch dieses Jahr mit einem Umsatz-plus beenden. Baugewerbe und Bauindustrie haben in 2020 rund 6.500 neue Arbeitsplätze geschaf-fen und auch im kommenden Jahr rechnen wir mit einem weiteren moderaten Beschäftigungszuwachs. Damit bleibt die Baubranche auch in der Krise ein wirtschaftlicher Stabilitätsanker. Damit das so bleibt, müssen die öffentlichen Auftraggeber aber ihre Investitionslinie hochhalten.“
Mit diesen Worten fasste Wolfgang Schubert-Raab, Präsident der Bayerischen Baugewerbeverbände, wichtige Ergebnisse einer gemeinsamen Herbst-Konjunkturumfrage der Bayerischen Baugewerbeverbände und des Bayerischen Bauindustrieverbandes unter ihren Mitgliedsbetrieben zusammen. An der Umfrage beteiligten sich über 450 Bauunternehmen.

Der baugewerbliche Umsatz stieg auf den bayerischen Baustellen von Januar bis August im Wohnungsbau um 10,5 %, im Öffentlichen Bau um 5,5 % und im Gewerbebau immerhin um 3,5 % an. Insgesamt erwirtschaftete die Branche in den ersten acht Monaten des Jahres ein deutliches Umsatzplus von 6 Prozent. Damit setzte sich die wirtschaftliche Dynamik der vergangenen Jahre in der bayerischen Bauwirtschaft fort.

Die Auftragslage hat sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt. Von Januar bis August lagen die Gesamtauftragseingänge um fast 5 % unter dem Vorjahreszeitraum. Während im Wohnungsbau die Auftragseingänge mit 3,4 Mrd. € konstant blieben, gingen diese im Gewerbebau mit 7,6 % und im Öffentlichen Bau mit 5,6 % zurück. Beim Straßenbau fiel der Auftragseinbruch mit -15,2 % besonders deutlich aus.

Im Durchschnitt haben die Bauunternehmen aktuell einen Auftragsbestand von 13,58 Wochen (Vor-jahr: 14,4 Wochen) in ihren Büchern stehen. Allerdings hat mehr als die Hälfte der Straßenbauer zum Jahresende eine schlechtere Auftragslage als vor einem Jahr.

2021 ist auch für die Bauwirtschaft mit großen Unsicherheiten verbunden. Im Öffentlichen Bau wirken sich das aufgrund der Corona-Krise entstandene Milliarden-Minus in den Kassen der bayerischen Kommunen und die fehlenden Personalkapazitäten aus. Die Zahl der Ausschreibungen nimmt deutlich ab. Mehr als die Hälfte aller befragten Straßenbauunternehmen erwartet sinkende Umsätze in 2021. Auch im Öffentlichen Hochbau, also etwa beim Bau von Schulen und Krankenhäusern, rechnet etwas mehr als die Hälfte der Betriebe in 2021 mit verringerten Umsätzen.

Josef Geiger, Präsident des Bayeri-
schen Bauindustrieverbandes, appellierte deshalb an die Städte und Gemeinden, bei den pflichtigen Leistungen wie Kläranlagen, Straßen, Wasserversorgung, Schulen nicht zu sparen und auch in Krisenzeiten notwendige Investitionen zu tätigen. Die Bauwirtschaft habe in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen des Versprechens steigender Bauinvestitionen der öffentlichen Auftraggeber Personal aufgebaut. Um die Arbeitsplätze am Bau zu erhalten, seien aber verstetigte Investitionen die wichtigste Voraussetzung.
Die Baupreise waren in diesem Jahr relativ niedrig. Mittelfristig werden die Baupreise aber nach Auffassung der bayerischen Bauspitzenverbände ansteigen. Dies wird von den Ergebnissen der Herbst- Konjunkturumfrage der Bauwirtschaft bestätigt. 84 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten 2021 steigende Einkaufspreise für Baustoffe und Rohmaterial.

In der bayerischen Bauwirtschaft sind 13.400 Bauunternehmen mit 170.000 Beschäftigten tätig.

Befragt wurden die baugewerblichen Unternehmen Bayerns nach der Umsatzentwicklung im Jahr 2020 und der Beeinflussung der Auftragslage durch die Corona-Pandemie sowie nach den Prognosen für 2021 in Bezug auf Umsatz- und Preisentwicklung. Die Ergebnisse sprechen einerseits für Stabilität in der Bauwirtschaft, zeigen aber gleichzeitig eine große Unsicherheit bei den Zukunftsaussichten.

Die Umsatzzahlen, die für die Monate Januar bis August 2020 ausgewertet wurden, stehen für einen weiterhin guten Stand im Baugewerbe. In allen Bereichen konnten über die Hälfte der Unternehmen gleichbleibende Umsatzzahlen vermelden. Bei der Umsatzsteigerung nimmt der Wohnungsbau die führende Position ein. Hier konnte ein Viertel aller Betriebe erhöhte Umsätze zum Vergleichsjahr 2019 erwirtschaften. Lediglich 13 Prozent dieser Betriebe gaben eine Verringerung ihrer Einnahmen an. Dagegen hatte etwa jedes dritte Unternehmen aus dem gewerblichen Bausektor, dem öffentlichen Hochbau sowie aus dem Straßen- und Tiefbau Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Nur wenige einzelne Betriebe konnten ihre Einnahmen steigern. Nach eigener Auswertung der Bayerischen Bauinnungen ergibt sich bei der Gesamtbetrachtung aller Gewerke dennoch ein leichtes Umsatzplus von sechs Prozent für den Betrachtungszeitrum der ersten acht Monate in 2020.

Im Gegensatz zum Umsatz, der für die Bauunternehmen ein kleines Plus bereithielt, hat sich die Auftragslage im vergangenen Jahr abgeschwächt. So reduzierte sich die Vorlaufzeit für den Auftragsbestand von 14,4 Wochen in 2019 auf 13,58 Wochen in 2020. Die Gesamtauftragseingänge verringerten sich um fast fünf Prozent zum Vorjahr. Hier ist der Straßenbau mit über der Hälfte aller Unternehmen und einem Auftragseinbruch von 15,2 Prozent schlechter gestellt, als der Rest der Baubranche. Der Öffentliche Hochbau verzeichnete ein Minus von 5,6 Prozent und im Gewerbebau gingen die Aufträge um 7,6 Prozent zurück. Während die Auftragslage im Wohnungsbau weitgehend konstant blieb.

Einen Zusammenhang der Auftragsrückgänge mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie sehen 37 Prozent der Teilnehmenden. Vor allem im Öffentlichen Hochbau und im Straßenbau wirkte sich die Auftragslage aufgrund der leeren Kommunenkassen und der fehlenden Personalkapazitäten durch die Corona-Einschränkungen negativ aus. Die Anzahl der Ausschreibungen befindet sich auf einem deutlich sinkenden Niveau. Aufgrund der durch öffentliche Auftraggeber getätigten Aussage die Bauinvestitionen steigern zu wollen, habe die Bauwirtschaft den Personalbereich bedeutend aufgestockt und 2020 rund 6.500 neue Arbeitsstellen geschaffen. Josef Geiger, Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes, appellierte an die Kommunen bei den pflichtigen Leistungen wie Kläranlagen, Straßen, Wasserversorgung, Schulen nicht zu sparen und auch in Krisenzeiten notwendige Investitionen zu tätigen, um diese Arbeitsplätze nicht zu gefährden.

Große Unsicherheit besteht in der Branche allerdings bei den Umsatzprognosen für 2021. Bis auf den Bereich Wohnungsbau, in welchem knapp ein Drittel von Minderungen ausgeht, erwartet etwa jedes zweite Bauunternehmen sinkende Umsätze für das laufende Jahr. Verantwortlich hierfür könnten steigende Preise beim Materialeinkauf sein, die von immerhin 84 Prozent aller Umfrageteilnehmer erwartet werden. Die Verkaufspreise hingegen wollen bzw. müssen nur 32 Prozent entsprechend erhöhen. Mit 53 Prozent möchte über die Hälfte ihre Endpreise auch weiterhin stabil halten. Dennoch spiegelt dies die Vermutungen der Vertreter des Bayerischen Baugewerbes wider, die laut einer Pressemitteilung des Bauindustrieverbands von einem künftigen Anstieg der Baupreise ausgehen. Wolfgang Schubert-Raab, Präsident der Bayerischen Baugewerbeverbände fasste die Umfrageergebnisse so zusammen: „Die Baubranche bleibt auch in der Krise ein wirtschaftlicher Stabilitätsanker. Damit das so bleibt, müssen die öffentlichen Auftraggeber aber ihre Investitionslinie hochhalten.“

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