Mittwoch, August 12, 2020
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Neue Grundlagen der Normung für Dämmstoffe

Die Normungslandschaft hat sich seit der Einführung des “Neuen Konzepts” im Jahre 1985 zur Harmonisierung des europäischen Binnenmarktes stark verändert. Die Normung wurde von der nationalen auf die europäische Ebene gehoben. Im Jahr 2011 wurde dazu der Rechtsrahmen für alle Bauprodukte durch die Einführung der EU-Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO, engl. CPR) geschaffen. Für die Verwendungszwecke eines Bauprodukts in einem Mitgliedstaat zur Erfüllung der Grundanforderungen (BWR 1 bis 7) an Bauwerke sind in Produktnormen die „Wesentlichen Merkmale“ festgelegt, mit denen die Leistung des Bauproduktes erklärt wird.
Die nationalen Normen haben seither an Bedeutung verloren und die harmonisierten EN-Normen (hEN) sind deutlich sichtbarer geworden. Diese werden bei bestätigter Rechtskonformität mit der Bauproduktenverordnung durch die EU-Kommission im EU-Amtsblatt (OJEU) veröffentlicht und sind damit sofort in allen Mitgliedsstaaten der EU gültig.

Die Entstehung einer europäischen harmonisierten Dämmstoffnorm (hEN)
Grundlage für die harmonisierten EN-Normen für Bauprodukte ist ein Normungsauftrag (Mandat), den die EU-Kommission der Normungsorganisation CEN erteilt. Für die Dämmstoffe hat das technische Komitee CEN/TC 88 die Arbeit zur Erstellung der Produktnormen übernommen. Das technische Komitee erstellt die Produktnormen und leitet die formelle Abstimmung bei alle Normungsinstituten der Mitgliedstatten der EU ein. Wurde die Norm von den Mitgliedstaaten angenommen, wird diese bei bestätigter Rechtskonformität durch die EU-Kommission im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Diese technischen Spezifikationen müssen von den Herstellern von Dämmstoffprodukten als Basis für die jeweilige CE-Kennzeichnung ihrer Produkte verwendet werden. Durch die damit nachgewiesene Konformität der mittels einer Leistungserklärung deklarierten Produktleistung ist das Bauprodukt am Markt handelbar und die Brauchbarkeit zur Erstellung von Bauwerken kann vermutet werden. Die benötigten Nachweise zur Verwendung gemäß einem definierten Verwendungszweck im jeweiligen Mitgliedstaat müssen jedoch immer noch separat erbracht werden.

Status quo: Fehlende Übereinstimmung mit bestehender Rechtsgrundlage (Lack of Compliance)
Seit 2017 werden nun keine überarbeiteten EN-Produktnormen für Dämmstoffe im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Sie sind damit nicht harmonisiert und eine CE-Kennzeichnung ist auf Basis dieser Dokumente nicht möglich. Die Normungsarbeit für Dämmstoffe ist damit weitestgehend blockiert und der „Stand der Technik“ der zur Zeit gültigen harmonisierten Produktnormen ist schon bis ca. 10 Jahre alt. Die Gründe dafür sind vor allem die in Bezug auf die EU-BauPVO durch die Kommission festgestellte Nicht-Konformität durch das veraltete Mandat M/103 aus dem Jahre 1994.

Der neue Normungsauftrag für Dämmstoffe (Standardisation Request)
Zur Beseitigung dieser Blockade hat die EU-Kommission im Jahr 2019 für alle Dämmstoffe die Erstellung eines neuen Normungsauftrages eingeleitet. Ein mehrstufiges Annahme- und Kommentierungsverfahren mit den Interessengruppen, CEN, TC 88, der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten der EU soll die Grundlage für die Normung von Dämmstoffen für die nächsten Jahrzehnte festschreiben. Im zukünftigen neuen „Standardisation Request“ werden

  • die Dämmprodukte
  • deren Lieferformen
  • die möglichen Verwendungszwecke
  • die dafür benötigten wesentliche Merkmale, bezogen auf die Grundanforderungen der Bauwerke gemäß EU-BauPVO
  • sowie die dazu benötigten Klassen und Schwellenwerte

detailliert erfasst. Das Verfahren zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit der Dämmstoffe wird in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten der EU durch einen delegierten Rechtsakt von der EU-Kommission festgelegt. Es wird erwartet, dass die für die Sicherheit der Bauwerke wesentlichen Merkmale unter den relevanten Grundanforderungen Standsicherheit (BWR 1) und Brandschutz (BWR 2) die höchste Bwertungsstufe unter Einbeziehung von notifizierten Stellen bekommen werden. Für einige Arten von Dämmstoffen (EPS, XPS, CG) wird die Einführung des BWR 1, die mechanische Festigkeit und Standsicherheit, diskutiert, da diese wesentliche Grundanforderung zur Zeit für die Dämmstoffe nicht mandatiert ist. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die neu hinzugekommene Grundanforderung BWR 7 für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen gelegt werden.
Strikte Vorgabe der EU-Kommission und von CEN werden die neue Generation der harmonisierten Produktnormen in ein streng geregeltes Format überführen, um innerhalb des vorgegebenen Rechtsrahmens der EU-BauPVO zu bleiben. Für einen Verwendungszweck eines Bauprodukts in einem Mitgliedstaat, mit dem darauf abgezielt wird, Grundanforderungen an Bauwerke zu erfüllen, können in den Produktnormen nur noch die „Wesentlichen Merkmale“ festgelegt werden, mit denen die Leistung des Bauproduktes erklärt wird.
Der erste Entwurf des neuen Normungsauftrages wurde von CEN/TC 88 erstellt und der EU-Kommission zur weiteren Abstimmung mit den Mitgliedstaaten der EU zur Verfügung gestellt.
Damit ist die Branche aufgefordert, sich aktiv in die Diskussion der nötigen wesentlichen Merkmale von Dämmstoffen einzubringen, um mit einem exakt formulierten Normungsauftrag uneingeschränkt brauchbare Bauprodukte zukünftig am europäischen Markt anbieten zu können.

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